Gedanken nach der Geburt

Wie ihr wahrscheinlich bemerkt, verarbeite ich immer noch die Geburt. So rein rationell habe ich Frieden geschlossen mit dem, wie es gelaufen ist. Aber in mir drinnen brodelt und arbeit es doch noch. In einem Gespräch mit der Hebamme, erwähnte sie das Wort: Unordnung. Die innere Ordnung der zellen wuirde gestört durch den Schnitt. Und genau so fühlt es sich an. Innere Unordnung. Immer wieder tauchen da diese nagenden Zweifel auf, ob denn jetzt wirklich alles gut ist. Immer wieder beschleichen mich unschöne Gedanken und Gefühle. Da ist sie wieder, die Angst vom Anfang, als der Sterngucker nicht zunehmen wollte. Als die Schilddrüsenwerte hoch waren. Und immer noch ein komischer roter Fleck, den es zu beobachten gilt, auf seinem Rücken. Er ist ein properes Kerlchen, wächst und gedeiht und hat nun schon Größe 50/56 hinter sich gelassen. Und doch erinnert mich jeden Tag die Narbe an den Tag seiner Geburt. Nein, die Narbe ist es eigentlich nicht. Eher die Schmerzen, die ich noch habe. Keine echten Schmerzen, sondern eher wie Muskelkater*. Das Gewebe rund um die Narbe ist noch taub und bisschen geschwollen. Aber jeden Tag wird es ein bisschen besser. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, daß mir alles weh tut und mein Körper ächzt und knackt beim Heilprozess. Dann bin ich dünnhäutig und emotional. Die Hebamme meint, das wird auch noch eine Weile dauern. ich soll mir Zeit geben und auch mal hinspüren zu den Gedanken, die ich meide. Zu den Was-wäre-wenn bzw wenn-nicht Gedanken. Ist ja doch ein bisschen dem Tod nahe gewesen zu sein. Jetzt nicht direkt, aber im Unterbewusstsein schon. Und was wissen wir schon, was unser Unterbewusstsein so treibt, gell?

Gleichzeitig sind da die Hormone. Diese kleinen tückischen Viecher, die alles so rosarot und wunderbar machen können. Noch vor vier Wochen hatte ich mit weiterer Familienplanung abgeschlossen. Jetzt (!) kann ich mir eine Nr. 4 tatsächlich noch vorstellen. verrückt, oder? Da bin ich noch nichtmal richtig geheilt, die Erinnerungen an die zähe Schwangerschaft und schier endlose Geburt noch sehr präsent und schwupps, gaukeln einem die Hormone heile Welt und einen intakten Körper vor. Nun denn. Auch darüber habe ich mit der Hebamme gesprochen.

Meine Hebamme betreut mich wunderbar. Sie hört sich meine Endlosschleife Hormongejammer geduldig an ;-) Ich meinte neulich schon zu ihr, daß die Hebammensprechstunden auch immer gleichzeitig eine kleine Psychotherapie sind. Tut gut.

*Das Muskelkatergefühl und alles weh tun stellte sich mittlerweile als Entzündung heraus. Die Symptome sind die gleichen wie bei einer Brustentzündung. Das Gewebe über der Narbe ist rot und heiss. Ich habe Kopf- und Gliederschmerzen wie bei einer Grippe, aber das gefühl, daß es schon wieder besser geworden ist. Ich war bei der Hebamme und wir haben beschlossen, den Körper erstmal machen zu lassen, aber sehr aufmerksam zu sein. Ich mache nun Umschläge und schone mich. Sollte keine Besserung eintreten, gehe ich zu meinem Hausarzt.

Ansonsten fühle ich mich gut. Innerlich schon ziemlich rückgebildet (bis auf die Narbe udn das Gedöns). Aber so innendrin und Beckenbodentechnisch. Die Hebamme meinte auch, ich sehe schon sehr rückgebildet aus :-)

Gewicht: 3 kg mehr als zu Beginn der Schwangerschaft.

Und weil ich immer so stolz Schwangerbauchfotos gezeigt habe, dürft ihr nun auch den nachher Bauch sehen. Weil ich finde, daß ich den  nicht verstecken muss.

narbe

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7 Responses to “Gedanken nach der Geburt”


  1. 1 Kathrin 23. Mai 2012 um 13:34

    Liebe Ramona, ich hatte bei beiden Schwangerschaften einen Kaiserschnitt, beide ungewollt aber notwendig. Beim zweiten Mal hatte ich immerhin die Vorerfahrung des ersten Kaiserschnitts. Ich erinnere mich sehr gut an das Gefühl des Zweigeteiltseins, dass ich zum Unterkörper fast keinen Bezug hatte und dass ich mich lange auch damit schwer tat, den Bauch bzw. die Narbe anzufassen. Meine Hebamme hat mir hin und wieder eine Bauchmassage geschenkt, das tat sehr gut. Das Taubheitsgefühl hält leider sehr lange an, ich spüre es nach knapp zwei Jahren noch immer.
    Unsere Rückbildungshebamme hat glücklicherweise auch immer spezielle Übungsformen für die Kaiserschnittfrauen angeboten.
    Ansonsten stehe ich heute nach dem Liegen noch immer über die Seite auf!
    Ich wünsche dir alles Gute und vor allem viel Geduld, diesen Kaiserschnitt auch körperlich zu verarbeiten. Es ist eine sehr große Operation. Im Alltag vergisst man das so schnell!
    Liebe Grüße aus dem Südwesten, Kathrin

  2. 2 Andrea 23. Mai 2012 um 13:38

    Ja, es dauert lange, kann lange dauern, bis das wirklich verarbeitet ist. Gut, das gleich am Anfang zu machen und nicht erst wegzuschieben. Wenn die Narbe richtig verheilt ist, ist wohl Anfassen gut. Also eincremen, massieren. Damit wieder Leben reinkommt und man merkt, dass auch das zum Körper gehört. Danke für das Foto. Und alles Gute. (Und hier ist noch ein Link, vielleicht ist der ja hilfreich? http://www.kaiserschnitt-netzwerk.de/)

  3. 3 Bianca 24. Mai 2012 um 08:41

    Liebe Ramona,
    auch ich hatte vor nur wenigen Monaten einen Kaiserschnitt. Ungewollt aber doch notwendig. Seit einigen Tagen nun wird die Narbe tatsächlich blasser. Aber genau wie bei dir, ist da noch Unordnung. Allerdings eher in meinem Kopf bezüglich der Geburt. Meine Hebamme war mir leider keine Hilfe, sodass ich das eher mit mir und meinem Mann ausmache.
    Nach der Geburt hatte ich auch ne Menge Zipperlein. Man merkte irgendwie das der Körper arbeitet/verarbeitet.
    Mir kommt deine Narbe im vergleich zu meiner so vor, als wäre bei dir der Schnitt viel weiter oben am Bauch. Vielleicht wirkt das aber auch nur so.
    Lieber Gruß und alles Gute,
    Bianca

  4. 4 winnieswelt 24. Mai 2012 um 15:13

    Ohje, das klingt ja gar nicht gut – ich wünsche dir, dass dein Körper sehr bald seine Ordnung wiederfindet!

  5. 5 frauniepi 24. Mai 2012 um 19:34

    ich freu mich gerade, dass deine narbe schon so gut aussieht. meine war noch nach wochen grün und blau.
    mein ks ist genau vier jahre her und es hat nochmal 2,5 jahre gedauert bis ich tatsächlich damit abschliessen konnte. vor der geburt des zweiten sohnes hatte ich nach dieser erfahrung einfach angst und bin zu einer psychologin gegangen. wenn du alles mit der hebamme besprechen kannst, ist das wunderbar.
    ich stelle mir den alltag mit zwei großen, baby und diesem gedankenkarussel schwierig vor und wünsche dir ganz viel kraft. auch für deinen körper, der neben der psyche ebenso viel mitgemacht hat und genauso ruhe braucht.

  6. 6 Choga Ramirez 11. Juni 2012 um 18:49

    Mein Bauch sah nach dem Kaiserschnitt nicht so gut aus. Meine Narbe sitzt zwar tiefer, als deine, aber ich hatte sehr lange Probleme damit. An Rückbildungsgymnastik war bei mir gar nicht zu denken. :(


  1. 1 Mein Jahresrückblick 2012 « Jademond Trackback zu 31. Dezember 2012 um 12:15

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