Mein Hamburg

Momentan ploppen überall im Netz Artikel über den Rest von Hamburg auf, seit Buddenbohm um Unterstützung gebeten hat. Wenn ich dann die Stadtteilbeschreibungen so lese, kommen Erinnerungen an meine Zeit in Hamburg (immerhin 8 Jahre) hoch. An die Orte, die mir ans Herz gewachsen sind, an die Begegnungen und Erfahrungen da. Wenn ich jetzt nach Hamburg komme, dann ist das immer ein bisschen komisch. Eine Mischung aus vertraut und fremd. Vertraut, weil ich lange da gelebt habe, fremd, weil sich zwischenzeitlich ja doch einiges verändert. Ein seltsames Gefühl.

Rahlstedt
In Rahlstedt habe ich gelebt. Ich habe so ca 2 Jahre gebraucht, um mich in Hamburg so einigermassen wohl und zu Hause zu fühlen. Alt-Rahlstedt ist ein beschaulicher Stadtteil, wo es schnell ländlich wird, fährt man Richtung Stapelfeld raus. Wir lebten in einem Backsteinhaus. Mit viel Grün drumherum in einer Sackgasse. Bei Google Street View sieht man mich auf dem Balkon stehen, wenn man danach sucht :-) Die Tochter konnte in der Sackgasse zwischen den Häusern rumlaufen und mit ihren Freunden Höhlen im Gebüsch bewohnen. Ihren Kindergarten konnten wir drei Strassen weiter zu Fuß erreichen. Der Kindergarten war ihr zweites zu Hause. Später eröffnete die Neue Schule Hamburg. Die Tochter gehörte zum ersten Jahrgang. Wir lernten Nena kennen und die Tochter war sogar bei der Produktion der Kinder-CD Himmel, Sonne, Wind und Regen und Videoaufnahmen dazu dabei. Ich nahm und gab beim AMTV Yogastunden, später hatte ich meine eigene kleine Yogagruppe bei der Yogaschule Rahlstedt. Ich ging zum Schwangerenschwimmen in die Schwimmhalle, nahm jeden Tag einen Teil des Schulweg als Spaziergang (30 min durch den Wald) und im Reformhaus wurde ich mit meinem Namen begrüßt. Im Reformhaus hatte ich auch eine Yogafreundin, die später nach Australien zog und der Tochter ihre alte Schildkröt-Puppe in Pflege gab. Wenn wir heute Hamburg besuchen, dann schlendere ich immer noch Mittwochs oder Samstags über den Markt und halte am großen Apfelstand, um mir die leckersten Bio-Äpfel zu kaufen. Knackig und noch kalt. Oh, und die Post. In der Post hatte ich einen Postmensch, mit dem ich mich gut unterhalten konnte. Er freute sich immer, uns zu sehen, schüttete mir sein Herz aus, steckte der Tochter das ein oder andere Werbemittel zu. Das letzte mal, als ich ihn traf war sein letzter Arbeitstag da.

Volksdorf
In Volksdorf sind die beiden großen Kinder geboren. Der Wolf und die Tochter. Der Wolf bekam ein selbstgestricktes Mützchen geschenkt, weil er mein zweites Amalie-Sieveking-Kind war. Das fand ich eine nette Geste. In Volksdorf ist auch die Schwimmhalle mit dem TakkaTukka Land. Dort waren wir gern Schwimmen (oder in der Sauna). Dort hat die Tochter auch ihr Seepferdchen gemacht. Im Sommer sind wir ins FKK-Sommerbad gefahren.

Uhlenhorst
Hier habe ich studiert. In der Armgartstrasse. Oft aber auch im Nebengebäude in der Wartenau (Eilbeck). Dort waren die Druckwerkstatt, die Bleisatzwerkstatt, Illustration und Typografie bei Prof. Veljovic. Da war es irgendwie beschaulicher als im Hauptgebäude. Jeden Tag bin ich also mit der U-Bahn über Farmsen zur Hochschule gefahren und habe meine Zeit in Kursen, Vorlesungen, Fotolabor und Bibliothek verbracht. Mittagessen gab es in der kleinen Mensa. Von der Wartenau aus konnte ich mit dem Schnellbus nach Hause fahren und die Tochter von der Schule abholen. Meine Freundin studierte an einer anderen Hochschule. Mit ihr verbrachte ich viele Stunden gemeinsam im Fotolabor. Das war an der Ubahn Haltestelle Mundsburg. Dort in der Nähe habe ich auch meine Nähmaschine her.

Farmsen
habe ich hauptsächlich als Umsteigestation in die Stadt (zur Hochschule) rein in Erinnerung. Ausserdem gab es dort noch einen tollen Spielzeugladen (der ist jetzt in Rahlstedt). Die ersten Wochen des Schulstarts verbrachte die Tochter im Jugendhaus in Farmsen, weil das Schulgebäude noch nicht bezugsfertig war. Und in Farmsen gibt es die Waldorfschule. Dort waren wir jedes Jahr zum Adventsmarkt. Das war immer unser Adventshighlight. Wenn ich jetzt in Hamburg bin, übernachte ich in Farmsen-Berne bei einem Yogafreund, den ich als Lehrer in der damaligen Tochterschule kennengelernt habe.

Barmbek
In Barmbek ist der Globetrotter und das Museum für Arbeit. Im Museum für Arbeit gibt es eine tolle Druckwerkstatt. Dort hat meine Freundin Lithografie gemacht und ich habe sie einige Male begleitet. Ich habe es als schöne Zeit in Erinnerung und suche momentan nach einer ähnlichen Möglichkeit hier in München, eine Druckwerkstatt (Radierung, Linolschnitt, Bleisatz…) zu benutzen.

So richtig in die Stadt rein (wie ich es nannte) bin ich eigentlich nur gekommen, wenn ich richtig was vor hatte. Am Anfang meiner Hamburg-Zeit (vor Geburt der Tochter) war das noch regelmässig. Da habe ich erst in Bahrenfeld/Diebsteich als Praktikantin gearbeitet, dann nach dem Umzug der Firma, direkt in der Altstadt am Baumwall als Werksstudentin. Als ich schwanger wurde bin ich jede Woche nach Altona ins Geburtshaus gefahren und habe dort mit Schwangerenyoga begonnen.
Nach der Tochtergeburt habe ich einen Yogarückbildungskurs im Goldbekhaus mitgemacht. Während der Yogalehrerausbildung war ich oft in Hoheluft bei Satya Singh, zu Veranstaltungen der Sangat oder Workshops auch bei Yogitee (damals) im Eppendorfer Weg. Da irgendwo habe ich auch eine zeitlang als Kopiermaus in einer Anwaltskanzlei unzählige Akten von Straftätern gescannt & digitalisiert.

In Altona habe ich das Balutschistan entdeckt und habe gern im Tibet-Restaurant gegessen, bin im Mercado flaniert und habe beim Bok gegessen. Den Bok gibts auch im Schanzenviertel mehrmals, da muss man den für sich besten rausfinden. Sehr gern mag ich noch die Ecke rund ums Dammtor und Grindel. Den alten botanischen Garten mit dem großen Spielplatz in den Wallanlagen. Das Baltuschistan (was früher viel besser war!) und das Teehaus. Vom Grindel ists auch nicht weit zum Museum für Völkerkunde mit interessanten Veranstaltungen. Dort habe ich mal einen Kurs in japanischer Kalligrafie angefangen. Dort in der Nähe ist auch die Rudolf Steiner Buchhandlung.

In St. Georg war ich zum Sinead O’Connor Konzert (Deutsches Schauspielhaus) und habe im 1000 Töpfe mein Fotopapier gekauft. Beim Sikh-Inder in der Langen Reihe kann man indische Gewürze und Gruschel kaufen während Japji & Co aus dem Lautsprecher dudeln, daneben gleich indisch essen gehen. Lange Zeit habe ich die Tochterschuhe im Schuhgeschäft “natürlich gehen” in der Gertigstrasse (Winterhude) gekauft. Um die Alster herum war ich zum Inline-Skaten, in der Hafenstadt zum Videodreh. Eine zeitlang habe ich noch in einer Anwaltskanzlei am Winterhuder Marktplatz gearbeitet. In Hamburg Veddel trainiert unsere Gatka Akara, da habe ich einige Workshops besucht und Gatka Training mitgemacht. Aus Ochsenwerder kam unsere Biokiste, dort waren wir auch zu den Erntefesten. In Wandsbek (Wandsbek Gartenstadt) lebte mein Schwesterherz.

In Wulksfelde gibts die besten Bio-Erdbeeren zum Selberernten, in Gut Basthorst tolle Märkte und in Müssen habe ich meinen Geschäftssitz :-)

Jaja, Hamburg.

6 Responses to “Mein Hamburg”


  1. 1 Maria 19. November 2012 um 13:14

    Jaja, Hamburg ( :
    Ich glaube, bei mir wird es auch zwei Jahre dauern, bis ich mich hier eingelebt haben werde…Danke für deine Anregungen für Neues!

    Liebste Grüße aus Altona-Nord,
    Maria

  2. 2 Miri 19. November 2012 um 20:00

    Uiiiii, da freu ich mich gleich noch mal mehr auf den hohen Norden!
    Dort verbringen wir Zwei nämlich Weihnachten!!
    Toller Post!!!
    Liebe Grüße,
    Miri

  3. 3 Aine 19. November 2012 um 22:15

    Hach, Dein Hamburg – mein Hamburg…!!! :)
    Ich bin ja ne olle Hamburgerin und freue mich immer, wenn ich in meinen Heimathafen wieder für ne Weile einlaufen kann…
    Ich hab’ so meine eigenen Connections zu Volksdorf, ansonsten zu den eher außerhalb gelegen Gegenden nicht so… Es sei denn, alles, was die Elbe entlang liegt… ;)
    Ich bin ne Winterhuderin, mit vielen Verbindungen zu Eppendorf, Eimsbüttel und Altona… Werde jetzt mal das Update zu Eppendorf und Eimsbüttel lesen… :)
    Grüßles von Aine

  4. 4 Petra 22. November 2012 um 09:03

    Ach, ja…
    In Farmsen habe ich gewohnt als ich Anfang der 80er Jahre nach Hamburg kam. Im Spannwisch, der am Berner Heerweg liegt und heute so ganz abseits “vom Schuss”. Damals gab es noch die Trabrennbahn in Farmsen, über deren ehemaliges Gelände der Wurmfortsatz des Friedrich-Ebert-Damms gebaut wurde. Und schnuckelige Wohnungen.
    An der Kreuzung zur Ebeersreye gibt es noch immer diesen Mini-Möbelladen Pommerenke. Ob der überhaupt noch was verkauft?
    Und in Farmsen gibt es die Eissporthalle, schon lange vor der doofen O2-World

  5. 5 Midnightcuisine 27. November 2012 um 01:15

    Ach lustig, ich arbeite auf Gut Wulksfelde und habe mich gerade über die herrliche bunten herbstlichen Erdbeerpflanzen gefreut. :-)


  1. 1 Der Rest von Hamburg (16) – Update mit Eppendorf, anderen Gegenden, noch einmal Eimsbüttel und Helgoland | Herzdamengeschichten Trackback zu 19. November 2012 um 20:17

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