Veganerkinder, Teil 2

Mich würde interessieren, ob deine Kinder, insbes. dein Kleiner spezielle Vorlieben/Abneigungen haben, oder ob sie alles begeistert mitessen, weil sie es immer schon so kennen.

Hehe, na klar hat er Abneigungen und Vorlieben. Er mag zB keine Erdbeeren (ist mir vollkommen unverständlich) und auch keine Erbsen (ganz der Papa). Ansonsten ist er grad recht offen und probiert alles. Seine Vorlieben und Abneigungen sind zT aber auch Tagesformabhändig und Appetitbedingt. Bananen & Äpfel isst er fast ausschliesslich wenn wir unterwegs sind, bei Äpfel mag er am liebsten, wenn ich ihm die Schale abbeisse (ich glaube, er findet mein Gesicht lustig, wenn ich das mache). Aus manchen Speisen sortiert er Teile raus, manchmal, in anderen Kombinationen, isst er sie mit.

Der Wolf mag am liebsten Reiswaffel (oder Maiswaffel) mit Avocado und grünem Pesto, Reis, Sossen & Suppen aller Art, Melone, Schokolade und Eis.

Die Tochter mag keine warmen Tomaten, keine Zwiebeln und keinen Basmatireis. Von 4-7 Jahren war sie sehr wählerisch und ihr Speiseplan recht begrenzt. Mittlerweile ist sie wieder offener und isst mehr von dem, was „Erwachsene“ essen. Da scheint es echt so eine Phase bei Kindern zu geben, wo sie ihre Gechmäcker entwickeln müssen. Früher zB (teilweise auch jetzt noch) mochte sie die Sachen nie gemischt, sondern Sosse und Nudeln zB mussten getrennt voneinander gereicht werden. Das mag sie nicht, wenn sich die verschiedenen Komponenten berühren. Gemüse mag sie am allerliebsten roh. Eine zeitlang hat sie Nudeln nur nackt oder mit Butter gegessen. ganz lange mochte sie keine Tomatensosse.

Ihre Lieblingsspeisen sind neben Obst, was immer geht, Klöße mit Rotkraut, Nudeln, Pfannkuchen, Milchreis, Kuchen, Butterbohnen und Eis. Zu Croissants sagt sie auch nicht nein.

Wie und wann haben deine Kinder als Babies zu essen begonnen? Brei oder Fingerfood und was zuerst?

Die Tochter hat schon sehr früh Brei bekommen (Gläschen und selbstgekochten), ich glaube mit 4 Monaten. Sie hat auch mit 11 Monaten aufgehört zu stillen. Der Sohn hatte die Breiphase nie sondern ist direkt von der Brust an den Familientisch. Der Sohn hat mit weichem, reifen Obst angefangen (Mango, Banane) und auch erst, als er schon Zähne hatte zum Kauen. Ich weiss gar nicht, wann er damit angefangen hat…*grübel* … Das war so ein fliessender Übergang. Hier mal bei uns was probieren und da mal dran knabbern. Aber immer roh. Erst jetzt seit ca 4 Monaten interessiert er sich verstärkt für anderes Essen und will alles probieren. Aber wir stillen auch immer noch.

Wie akzeptieren die Kinder dass es gewisse Dinge zu Hause nicht gibt?

Der Sohn nimmt es hin. Die Tochter meckert manchmal oder äußert Wünsche und dann planen wir das zusammen. Das betrifft allerdings meistens nur Brot, Kuchen (wir haben keinen Backofen), Eierkuchen und so Schlabberkram. Dann freut sie sich immer besonders, wenn es das mal wieder gibt. Sie ist ja auch alt genug. aktiv an der Essensplanung teilzunehmen. nach Fleisch und Milchprodukten fragt sie allerdings nicht. Manchmal freut sie sich über Butter (ich aber auch, hehe). Da ich aber auch erkläre, warum ich die Dinge nicht kaufen möchte, ist das eigentlich selten Thema. Und wenn sie woanders ist und unbedingt möchte, dann kann sie ja auch essen, wonach ihr ist.

Essen sie diese Sachen dann bei Freunden?

Klar isst sie bei Freunden, was es daheim nicht gibt und was sie lecker findet. Am deutlichsten ist das bei Kuchen. ich kann hier nicht backen, weil wir keinen Backofen haben. Also nutzt sie jede Gelegenheit, wo es Kuchen gibt und schlägt zu :-) Wenn ich woanders bin, probiere ich aber auch gern, was da so geboten wird (so es in meine Ernährungsphilosophie passt)

Dürfen sie das?

Ich sprech jez mal für die Tochter. Ja, sie darf das. Ich kann ja nicht hinterherlaufen und das kontrollieren. Sie weiss um meine Einstellung, aber die Entscheidung & Verantwortung, was sie isst, hab ich an sie abgegeben. Manchmal erinnere ich sie nochmal dran, wenn’s grad wieder einreisst und ich es an ihrem Verhalten oder Zustand merke. Aber das haben wir so abgesprochen. Es gab eine Phase, da wollte ich das gern kontrollieren. Das war, als wir die Umstellung auf glutenfrei und milchfrei hatten. Das war sehr schwer. Da hat sie sich ziemlich über sich bestimmt gefühlt und wir hatten Konflikte. Dann haben wir uns zusammengesetzt und ein Gespräch geführt. Wie es ihr damit geht, wie mir. Was uns am Herzen liegt. Da konnten wir eine gute Vereinbahrung treffen. Das ist jetzt bestimmt shcon 1,5 Jahre her. Wir haben beschlossen, daß sie selbst entscheiden kann, was sie isst. Sie hat sich aber von mir trotzdem eine beratende Funktion gewünscht. Manchmal fragt sie mich auch, ob das grad ok ist oder lieber nicht.

Der Sohn bleibt noch nirgendwo ohne mich. Bei Oma gebe ich schon noch einen Rahmen vor, was er essen kann und was lieber nicht.

Was würdest du tun, wenn die Tochter z.B. plötzlich Fleisch, Zucker oder Weizen essen möchte?

Nichts. Wenn sie das möchte, dann tut sie das. Ich erkläre ihr meinen eigenen Standpunkt dazu. Wo das Fleisch herkommt (möglichst ohne Wertung mit „eklig“ und „die armen Tiere“ und sowas), was der Zucker/Weizen/Fleisch etc in unserem Körper macht, warum ich der Meinung bin, es so zu tun wie ich es tue etc. Ausserdem merkt sie es ja selbst am eigenen Körper. Fleisch isst sie aus Überzeugung nicht, Weizen isst sie selten, es geht ihr danach nicht so gut (aber auch nicht wirklich schlecht) und Zucker beeinflusst ihr Immunsystem (das war schon immer so) und ihr Verhalten.

Gibt es bei euch denn auch ab und zu Süßigkeiten? (Achso, rohe Schockolade, oder?)

Ja, wir haben immer dunkle Schokolade (ab 70%) im Haus. Manchmal mit Orangenöl oder Chili. Das mögen wir nämlich gern, ab und an ein Stückchen auf der Zunge zergehen lassen. Das ist dann aber auch wirklich nur ein Stück und wieder gut. Das essen der Mann und ich, manchmal auch die Tochter, wenn sie danach fragt. Der Sohn bekommt Schoki nur roh. Die Tochter hat einen kleinen Süßkramvorrat, der sich so ansammelt. Da bekommt sie mal was geschenkt oder holt sich Traubenzucker in der Apotheke oder sammelt Leckerein an den Probierstationen beim Alnatura. Oder sie fragt mal, ob ich was vom Einkaufen mitbringen kann etc. Selten und das auch nur Phasenweise hat sie den schlimmen Chemiesüßkram. Dann ist aber auch wieder gut. Sie achtet selber drauf, ob Aspartam oder Gelatine drin ist und fragt mich nach Inhaltsstoffen, wenn sie unsicher ist. In der Schule wird aber auch immer wieder drüber gesprochen, sodaß da schon ein gewisses Bewusstsein da ist.

Ich versuche schon noch, die ankommenden Süssigkeiten so zu steuern, daß sie dem „Idealzustand“ entsprechen. Sprich, ich sage den omas, Freunden udn Verwandten, daß, wenn sie Naschkram & Co schenken wollen, dann bitte Glutenfrei (oder zumindest Dinkel), Zuckerfrei und ohne Milchprodukte). Das klappt eigentlich ganz gut, zumindest geben sich alle sehr viel Mühe. Das schätzt auch die Tochter sehr. „Guck mal, schön daß xy drauf geachtet hat!“

Ich mache hin und wieder rohe Naschis auf der Basis von Datteln & Mandeln. Die mögen die Kinder super gern. Was auch immer funktioniert, wenn sie Lust auf was Süsses haben (und das haben sie oft!) ist Eis. Eis mache ich aus pürrierten Früchten oder Saft (oder Smoothie Reste), die ich dann in so Eisbehälter einfriere. Wenn grad keins da ist, nehmen sie auch gefrorene Himbeeren. Ja, das ist eigentlich die Hauptnascherei.

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6 Responses to “Veganerkinder, Teil 2”


  1. 1 FibrePiratess 20. Mai 2011 um 15:43

    Vielen lieben Dank für den Einblick in euer Zusammenleben. Das finde ich sehr sehr spannend zu lesen.
    Der Liebste und ich sprechen über Ernährungsthemen relativ viel und da ich ja nun auch kein Fleisch mehr esse und er sehr wenig, haben wir auch schon überlegt, wie das mal mit Kindern wird.
    Das sind zwar noch ein paar Jahre hin (das Studium allein dauert noch 2,5 Jahre), aber man weiß ja nie. Ich hab immer die Hoffnung, dass er vielleicht bis dahin auch Vegetarier wird ;-D

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Eilan

  2. 2 Shura 20. Mai 2011 um 19:16

    Ein sehr interessanter Einblick!

    Ich frage mich auch immer wieder, ob es gut ist, dass die Kinder Milch trinken dürfen, wenn ich an die Kühe und ihre Lebensbedingungen denke..

    Das ist ein schweres Thema, vor allem, weil das Umfeld fast nur negativ darauf reagiert.

    Wieso esst ihr kein Weizen, wenn ich fragen darf? Und welche Auswirkungen hat denn Zucker auf das Immunsystem? Das ist noch totales Neuland für mich. Ich achte da schon sehr drauf, aber es dirkete Auswirkungen hat, wusste ich nicht. Magst du mich etwas aufklären diesbezüglich?

    Wo holst du denn dein ganzes Wissen her?

    Liebe Grüße Nadine

  3. 3 Smilla 21. Mai 2011 um 05:10

    Solange man das nicht völlig dogmatisch betreibt und versucht, das Kind mit aller Gewalt auf die eigene Linie zu bringen, funktioniert das ganz gut, denke ich, aber sonst sind Konflikte vorprogrammiert. Meine weitgehend vegan lebende Freundin hat ein Kind, das völlig vegetarisch lebt und ein zweites, das unglaublich gern und schon seit dem Kleinkindalter Fleisch und Eiweiß isst (obwohl der Vater redlich versucht hat, es ihr mit der „Arme Tiere“-Masche madig zu machen). Das ist einfach ein auffälliger Unterschied und nicht mit Einflüssen der Außenwelt zu erklären. Meine Freundin dachte sich deshalb, dass ihr zweites Kind wohl einfach tierisches Eiweiß braucht und hat sie machen lassen. Beide Kinder sind heute Teenager und ihnen geht es gut. Ich finde es gut, dass sie beiden Kindern die Optionen offenließ, nervenschonend auch für sie selbst – irgendwann kann man halt nicht mehr ständig kontrollieren, was wer wo isst.
    Ramona, ich finde, Du machst das ähnlich gut und gelassen. :-)

  4. 4 naturmama 22. Mai 2011 um 18:54

    find ich ganz toll, dass du dir so viel mühe machst, all diese fragen zu beantworten. und auch sehr interessant. ausserdem finde ich gut, wie du alles recht neutral beschreibst. top.

  5. 5 Gesundheitsblog 23. Mai 2011 um 14:07

    Hallo,

    vielen Dank für den „Einblick in euer Leben“. Ich finde es sehr interessant, besonders auch deinen Umgang mit dem Willen deiner Tochter. Was ich mich nur frage ist ob du das wirklich schaffst daswertfrei klar zu machen warum es das eine Essen gibt und das andere nicht. Nicht, dass ich dir das nciht zutraue, sondern ich überlege nur wie es bei mir ist, wenn ich von etwas überzeugt bin und das anderen versuche klar zu machen. Und da ist leider immer eine Wertung dabei. Wertfrei schaffe ich das gar nicht.
    Gut finde ich, dass deine Tochter ja besonders wenn es um Süßigkeiten geht doch ziemlich auf deiner Linie ist und dies auch selbst so sieht. Das hat mich beim Lesen doch sehr beeindruckt.
    Vielen Dank und Grüße!

    • 6 jademond 23. Mai 2011 um 14:56

      Nein, ganz wertfrei schaffe ich es natürlich nicht. Aber ich versuche bei meinen Erklärungen wertende Adjektive zu vermeiden (gut, schlecht, usw). Es gibt aber schon auch Tage, an denen mir ein inbrünstiges „Scheißzeug“ rausrutscht :-)


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