40 Tage nach der Geburt

Im November schrieb ich schonmal über die Tradition, den 120. Tag nach der Empfängnis zu feiern. Heute möchte ich auf den Segen der 40 Tage nach der Geburt aufmerksam machen.

Der yogische Hintergund
Nach yogischem Glauben, werden vom 120. Tag der Schwangerschaft bis zum 40. Tag nach der Geburt der gesamte Charakter und die Werte des Kindes gebildet. Die Frau soll bemuttert werden, sie soll sich erholen, zu Kräften kommen und ihr Baby kennenlernen. Sie braucht die Zeit und Kraft, nicht nur um sich um ihr Kind zu kümmern, sondern um sich mit ihrer neuen Identität als Mutter auseinanderzusetzen. Ihr Körper muss sich auf die Stillzeit einstellen, auch die Gebärmutter braucht eine Weile, um sich zurückzubilden.
Es ist schön, in dieser Zeit so viel Unterstützung, Erholung und Hilfe zu bekommen, wie es geht. Der 40. Tag nach der Geburt ist ein ganz besonders prägender Tag. Die Beziehung des Kindes zur Familie und zur Welt wird gebildet. Hintergrund der ganzen 40-Tage-Tradition ist in erster Linie, das Baby, dessen Immun- und Nervensystem noch nicht ausgereift ist, langsam in die Welt zu begleiten. Es braucht eine Weile, sich vom Leben im Bauch auf das leben ausserhalb umzustellen. Wir können diese Zeit als heilige Zeit betrachten, die die Bindung von Mutter (bzw Familie) und Kind unterstützt.

Zyklen
40 Tage Zyklen spielen in vielen Religionen und Traditionen eine wichtige (und symbolische) Rolle. Im alten Testament regnete es für 40 Tage und 40 Nächte, Noah brauchte 40 Tage, um die Arche zu bauen, Jesus meditierte 40 tage in der Wüste. Im muslimischen Glauben gibt es 40 Tage Ramadan. Interessant ist ausserdem, daß sich alle 40 Tage unser Blutstrom erneuert.Auch im Yoga & Sikhismus haben 40 Tages-Zyklen eine wichtige Bedeutung. 40 Tage sind eine Zahl, die Vollendung repräsentieren.

Vorbereitung
Die 40 Tage nach der Geburt bereitet man am besten schon während der Schwangerschaft vor.

  • Vorbereitungen für das Baby (Was braucht das Baby? Windeln, Kleidung, Decke, Spucktücher…?)
  • Lebensmittelvorbereitungen (für die Mutter, Familie, Geschwister zB Vesper/Brotzeiten. Vielleicht kann man bereits vorher ein Gemüse/Obst-Abo organisieren, teilweise vorbereitete Essen einfrieren oder Freude um Hilfe beim Kochen bitten. Freunde von mir hatten zB nach ihrer Zwillingsgeburt für sich eine zeitlang „Essen auf Rädern“ bestellt)
  • Haushaltsorganisation (wer putzt, kocht, kauft ein, wäscht, kümmert sich um Geschwister etc. Nach der Geburt steht einem eine gewisse zeitang eine Haushaltshilfe zu. Die Kosten werden teilweise von der Krankenkasse übernommen. Ausserdem gibt es viele Organisationen, die Familien nach der geburt zur Seite stehen. Familienpflegewerk, Dorfhelferinnen, wellcome…Fallen Euch noch welche ein?)
  • Geschwister: für diese Zeit vorbereiten, was Geschwister brauchen (Geschenke, Essen, Dinge für bestimmte Ausflüge oder Aktivitäten etc)
  • Was muss täglich getan werden, was kann warten?
  • Krisen vorher abwenden, indem man vor der Geburt bereits vieles organisiert und durchspricht: Freunde, Nachbarn, befreundete Mütter, Yogafreundinnen

Sevadar
Ein schöner Brauch in einer yogischen Gemeinschaft: jeder neugeborenen Familie für 40 Tage (!) eine „Sevadar“, eine dienende Frau, an die Seite stellen. Sie sorgt für stärkendes, bekömmliches Essen, immer einen Tee am Bett der jungen Mutter, besorgt den Haushalt, ist Ansprechpartnerin für die größeren Geschwisterkinder, dient im Hintergrund und schafft eine Atmosphäre, die für Mutter, Vater und Kind/er wie ein Fest in Erinnerung bleiben wird.

Das Ende der 40 Tage
Wie ein kleines Fest kann man das Ende der 40 Tage betrachten. Ein kleines Familienfest oder zusammen mit der Gemeinschaft. Dann kann man das Baby der Welt draussen vorstellen und Glückwünsche empfangen.

Mehr auch hier dazu findest du zB im Buch „Bountiful, Beautyful, Blissful“ von Gurmukh (in englisch)

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9 Responses to “40 Tage nach der Geburt”


  1. 1 Fangorn 7. Januar 2012 um 08:24

    Im islam dauert der ramadan einen mondmonat also 29 oder 30 Tage ;)
    Lg

  2. 3 Sanne 7. Januar 2012 um 15:10

    diesen Aspekt greift die Idee der Mütterpflege auf, wenn auch nicht solange, aber schön wär´s.

    http://www.mütterpflege.de

    herzliche Grüße

    Sanne

  3. 5 linnea 7. Januar 2012 um 17:21

    sich schon vorher auf diese zeit intensiv vorzubereiten, finde ich einen sehr schönen gedanken. das wochenbett hat mich in seiner intensität doch sehr überrascht und ich hoffe, dass ich meinen schwestern und freundinnen selbst einmal viel hilfe anbieten kann, wenn sie mütter werden.
    die mütterpflegerinnen kenne ich auch, gießen ist ja direkt bei uns und es gibt hier recht viele frauen, die die ausbildung gemacht haben.
    ansonsten natürlich eine liebevolle nachsorgehebamme und (bezahlt) doulas.
    liebe grüße
    linnea

  4. 6 Schussel 8. Januar 2012 um 09:44

    Ich stimme dir voll und ganz zu!

    In diesem zweiten Wochenbett haben wir uns zwar nicht an feste 40 Tage gehalten, aber die Zeit war automatisch ähnlich lang. Und ich bin mir ganz sicher, dass die gute Vorbereitung mit Essensplanung, Schwiegermutterhilfe, Hebamme, Massagen und einfach viel Zeit und ohne Besuch oder Stress von außen entscheidend dazu beigetragen hat, dass ich diesmal ein wunderbares Wochenbett hatte und ohne Depression davon kam.

    Aus amerikanischen Blogs kenne ich außerdem die schöne „Tradition“, dass sich Frauen in einem Viertel/einer Stadt zusammenschließen und dann immer, wenn eine Frau in der Nachbarschaft im Wochenbett ist, reihum für Essen für die Familie in den ersten Tagen sorgen. Das finde ich sehr sehr schön, habe ich hier aber noch nie so organisiert gesehen (von engen Freunden abgesehen). Vielleicht muss ich einfach damit anfangen…

  5. 7 winnieswelt 8. Januar 2012 um 11:21

    vielleicht hätte ich mir auch mal vorher so viele Gedanken machen sollen, …

  6. 8 Freakymaielfe 20. Januar 2013 um 16:54

    Liebe Jademondin!
    Soo wundervolle Ideen, ich liebeliebeliebe es, in deinem Blog zu lesen. DANKESCHÖN!


  1. 1 Schwangerschaftsgedanken XV « Jademond Trackback zu 3. April 2012 um 11:12

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