Geburtsbericht, Teil 2

Nun ist schon eine ganze Weile vergangen, seit ich Teil 1 des Geburtsberichtes aufgeschrieben habe. Weiter also

Im OP
Im OP also bekam ich die Unterleibsbetäubung und den Mann in OP-Uniform dazu (wie schnuckelig, falls man das in so einer Situation noch feststellen darf). Der OP war voller Leute, ein ganzes Team. Ein Arzt allein dafür, mich zu unterhalten, um zu sehen, daß ich bei Sinnen bleibe ;-) Ich wartete also, daß ich was spüre. Und als hätte der Arzt es geahnt, meinte er irgendwann ganz lässig: „Sie können aufhören auf den Schmerz zu warten. Die operieren schon.“ Der Mann, der meinige, stand die ganze Zeit an meinem Kopfende und durfte nicht über den Schirm schauen, den sie als Barriere zwischen meinen Oberkörper und Unterkörper gespannt hatten. Im Nasenloch hatte ich irgendwas, was mir Sauerstoff zuführte. Ich war halb benebelt von der Erschöpfung und den Medikamenten. Irgendwann hörte ich den ersten Schrei von unserem Sterngucker. Da liefen die Tränen. Erleichterung, Freude, Rührung. Das erste Mal, daß ich geweint habe bei der Geburt. Aber ich sah ihn nicht. Er wurde gleich zusammen mit dem Mann zur Erstuntersuchung aus dem OP gebracht. Nur kurz kam er wieder, eingepackt in warme Handtücher. Ich sah nur die Nase und schon war er wieder weg für die nächste Stunde. Auf der Kinderstation. Zum durchchecken. Denn so ganz gesund sah er nicht aus.

Da war er also, unser Sterngucker
geboren am 15.4.2012 um 16:12 Uhr
3350 g/ 51 cm/ 35 cm

Ich wurde derweil wieder zugenäht (hoffentlich ohne Wackersteine im Bauch), bekam noch jede Menge Oxitocin, damit sich meine Gebärmutter zusammenzieht. Das hat mir noch mehr elendiges Beinezittern gemacht. Ich bin immer wieder eingedöst. Irgendwann war die OP beendet. Das war total krass. Man hob mir die Beine an, aber ich spürte es nicht. Ich bin nur erschrocken, daß plötzlich meine Beine in meinem Gesichtsfeld auftauchten. So ganz ohne Vorwarnung. Ich wurde aus dem OP gefahren und konnte mich im Geburtszimmer erholen. Ich kämpfte mit dem Beine- und Ganzkörperzittern und schlief immer wieder kurz ein. Jemand stellte fest, daß ich Fieber habe (39.8°C). Ich bekam ein Antibiotikum intravenös. Vorsorglich, weil niemand wusste, woher das Fieber kam und grad eben ja noch mein Bauch offen war und niemand das Risiko einer Bauchhöhlenentzündung (oder was auch immer) eingehen wollte.

Auf der Kinderstation
Nach ca 1 Stunde wurde ich auf die Kinderstation gefahren, wo mein kleiner Sterngucker lag. Auch er hatte einen Infusionsschlauch an der Hand und Überwachungskabel am Körper. Aber ich konnte ihn ganz nah zu mir nehmen und an die Brust legen, beschnuppern, bekuscheln. Alles so anders als damals beim Wolf. Aber unter diesen Umständen hatte ich meinen Frieden damit. Alles war gut so (ich stand ja auch noch unter Drogen ;-) Der Sterngucker hatte eine Schwellung am Hals. Es wurden seine Schilddrüsenwerte und diverse andere Dinge gecheckt. Einer der beiden Werte war sehr erhöht, aber im Laufe der Tage klang sowohl die Schwellung als auch die erhöhten Schilddrüsenwerte ab. Auch seine Pyramidenkopfform nahm Formen eines hübschen Babies an.
Die ersten beiden Tage also verbrachte der Sterngucker auf der Kinderstation. Er wurde mir gebracht, wenn er mich brauchte (oder ich ihn sehen wollte). Die Schwellung am Hals ging zurück. Er trank gut. Er wurde nach 2 Tagen von seiner Infusion befreit und auf die normale Wöchnerinnenstation verlegt.

Auf der Station
Da es auch mir zunehmend besser ging, blieb der Sterngucker immer länger bei mir, schliesslich auch nachts (sonst verbrachte er die Nächte im Kinderzimmer und wurde mir zum Stillen gebracht). Wer Lust hat, meine Krankenhaus-Artikel nachzulesen, kann das hier tun. Immer Tagesaktuell vom ipad geschrieben. Hach, was war ich froh um das ipad mit der Mobilfunkverbindung. So konnte ich ein bisschen Kontakt zur Aussenwelt halten in meinem Paralleluniversum.

Springforelle, here he comes
Ein kleiner Gruß aus dem Paralleluniversum
Tag 3 im Hotel Agatharied
Ein ohne-Besuch-Tag
Morgen werde ich entlassen

Generell fühlte ich mich in der Klinik sehr gut betreut. Das Essen war für Krankenhausessen wirklich gut. ich habe es ein bisschen mit meinen eigenen mitgebrachten Sachen (frischer Babyspinat, Avocados, Tomaten, Mango, Mandeln etc) aufgepeppt. So hatte ich nichtmal Probleme mit Verstopfung und konnte mir die Meidkamente ersparen. Medikamente (Thrombosespritzen, Antibiotika, Schmerzmittel, Homöopathie…) sind in dieser einen Woche eh genug durch mich durchgelaufen. Soviel hatte ich insgesamt in den letzten Jahren nicht. Ich nehme ja nichtmal eine Kopfschmerztablette. Aber in dieser Zeit habe ich alles genommen, was mir geboten wurde. Ich habe mich dem hingegeben. Vertraut. Eine ganz interessante Erfahrung. Geburt ist ja sowieso Hingabe. Wie auch danach das Muttersein. Ich mag das Wort. Das klingt so positiv. Ab dem zweiten Tag habe ich aber Heilerde genommen. Damit mein Körper ein bisschen unterstützt wird, das alles wieder auszuscheiden. Die Stationsschwester fand das sehr komisch. Sie hat mir erzählt, daß sie sogar nachts davon geträumt hat, daß sie Erde essen musste. Hahah :-)

6 Responses to “Geburtsbericht, Teil 2”


  1. 1 lavendelkinder 22. Mai 2012 um 11:56

    Und wie schön, dass Ihr beide jetzt gesund und munter zuhause seid.
    Well done, Ihr zwei.

  2. 2 Mondenkind 22. Mai 2012 um 12:10

    Dein Bericht vom Op entspricht exakt meinen Erfahrungen. Nur das mein Kreislauf während der Op noch zusammenbrach. Aber das mit den Beinen fand ich auch sehr lustig. Plötzlich tauchte da ein Bein vor meinem Auge auf – und ich fragte die Ärztin: „Ist das mein Bein?“ Sie so: „Ja, wessen Bein denn sonst?“ Ist heute noch ein running gag hier. Aber ich hatte echt null Bezug zu diesem gefühllosen Körperteil ;)
    Schön, dass du dich in Agatharied gut aufgehoben gefühlt hast. Bis auf ein paar Kleinigkeiten fand ichs auch ok. Aber ich bin ja auch sehr empfindlich ;)

  3. 3 bhajankaur 23. Mai 2012 um 12:14

    ich finde es klasse, dass du das hier alles aufschreibst und wir es lesen können. hoffentlich heilt alles weiter gut und die ganze kraft kommt schnell und vollständig zurück.

  4. 4 Choga Ramirez 11. Juni 2012 um 18:46

    Ich habe von meinem Kaiserschnitt so gut wie gar nichts mitbekommen. Mein Sohn wurde kurz nach 14 Uhr im Juni 2007 geholt und ich bin erst auf Station wach geworden, als es draußen schon dunkel war.


  1. 1 Dünnhäutig « Jademond Trackback zu 23. August 2012 um 12:37
  2. 2 Mein Jahresrückblick 2012 « Jademond Trackback zu 31. Dezember 2012 um 12:15

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