Tischgebete und Segenssprüche

Prayer

„In this plate of food, I see the entire universe supporting my existence.“ Zen blessing at mealtime

Eine liebe Blogleserin fragte mich neulich, ob ich nicht eine Idee für einen Tischspruch hätte. Ich habe mich selber mal auf die Suche danach gemacht und mir schöne Sprüche notiert. Letztlich hat sich keiner davon in unseren Alltag eingeschlichen. Am Anfang versuchte ich, diesen Spruch zu etablieren.

Erde, die uns das gebracht,

Sonne, die es reif gemacht,

Liebe Sonne, liebe Erde

Euer nie vergessen werde.

(Christian Morgenstern)

Das ging eine Weile gut, fühlte sich aber nicht so natürlich an. Der Spruch wird in Waldorfkindergärten benutzt. Der kleien Sohn kennt den auch von seiner Spielgruppe.

Die Tochter brachte dann immer Kindertischsprüche aus dem Kinderhaus mit. Von schnappenden Krokodilen und Mäusen und was nicht alles. Die haben wir dann eine Weile benutzt. Als die Tochter älter war, hatten wir keinen Spruch mehr. Vor einer Weile erst war sie diejenige, die begann, Sat Nam vorm Essen zu singen. Wie wir es auch machen, wenn wir uns mit unserer yogischen Sangat (Gemeinde) zum pangat (gemeinsames Essen) treffen. Und dieses kleine Sat nam finde ich mittlerweile so schön. Es wird gechantet. Gibt uns die Möglichkeit, vorm Essen nochmal innezuhalten und gleichzeitig das Essen zu segnen. Oft ist es ja kurz vorm Essen um den Tisch herum sehr wuselig. Das Sat Nam bringt Ruhe rein und setzt einen Fokus.

Hier noch eine kleine Auswahl anderer schöner Tischgebete und Segenssprüche:

Alle guten Gaben,

alles, was wir haben,

kommt, o Gott, von Dir –

Dank sei Dir dafür!

(Das finde ich sehr schön. Man könnte statt „o Gott“ auch „Natur“ einsetzen)

Erdenspeise, Erdenbrot,

Unserm Leibe bist du not.

Wenn wir dich mit Freuden essen,

Sei der Himmel nicht vergessen,

Der in aller Erdenkraft

Wunder wirkt und Leben schafft.

(Heinz Ritter)

Himmels und der Erde Kraft

Uns des Leibes Nahrung schafft.

Bittend heben wir die Hände –

Dankend nehmen wir die Spende.

(Dorothea Letzsch)

In Deinen Früchten, Mutter Erde,

Ruht das Geheimnis Deiner Sonnenkraft.

Gib Gott, daß in uns fruchtbar werde,

Dein Geist, der alles wirkt und schafft.

Der Bauer reißt die Erde auf

Und legt das Samenkorn hinein.

Die Sonne reift’s im Jahreslauf –

Wir wollen dafür dankbar sein.

(Albrecht Redlich)

Diese und noch andere Sprüche findet Ihr zusammengefasst in dem Büchlein Erdenspeise Gotteskraft von Christoph Rau.

Hier habe ich auch noch eine schöne Zusammenfassung gefunden.

****

Kleine Anmerkung vom Manne, der mir grad über die Schulter schaute….

Aus der katholisch christlichen Tradition (Wir suchen ja was in diesem Bayern-Dings. Muß man ja schon mal üben)

„Herr sei unser Gast

und segne, was du uns bescheret hast.

Aaaahhhmmmen“

Vater: „Buah, gib mer sofort mein Löffel her.“

Bub: „Löffel hollaroduljöh.“

(Frauen kopfschüttelnd im Hintergrund) Die Mannerleut, Mannerleut.

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8 Responses to “Tischgebete und Segenssprüche”


  1. 1 Eilan 16. Januar 2011 um 10:52

    Hallo Ramona!

    Den Spruch mit den guten Gaben gab es früher auch bei meinen Großeltern. Ich fand den immer doof, weil das irgendwie ohne Kontext bzw. im christlichen Kontext stand. Und es hatte immer so etwas vom erhobenen Zeigefinger, weil meine Eltern sowas mit uns nie gemacht haben…

    Ich würde mit meinen Kindern auf jeden Fall so einen Spruch sagen wollen. Wenn es sich denn für alle gut anfühlt und wenn sich etwas Schönes findet.
    Dass ihr vorher etwas singt, finde ich klasse!

    Viele Grüße,
    Eilan

  2. 2 Wurzelfrau 16. Januar 2011 um 12:16

    Einer meiner Lieblinge:

    „Jedes Tierlein hat sein Essen,
    jedes Blümlein trinkt von dir,
    hast auch meiner nicht vergessen,
    Liebe Erd` hab Dank dafür“

    :)

  3. 3 Schussel 16. Januar 2011 um 14:03

    So einen richtig schönen, kleinkindgerechten Spruch würde ich auch gern finden. Der Knirps hat nämlich aus der Spielgruppe den Klassiker mit nach Hause gebracht (Piep, piep, piep, wir ham uns alle lieb, guten Appetit), der ihm seither sehr wichtig vor dem Essen ist – nur ich mag den nicht sooo gerne :)

  4. 4 bianca 16. Januar 2011 um 15:05

    Sat nam liebe ich auch! Genau dieser Mix aus Mudra geschlossenen Augen und dem Chanten bringt so eine Fokusierung mit sich. Schade, daß ich hier keine Chanca hätte es zu etablieren.

    Ansonsten finde ich, es gibt viele schöne Sprüche zu Tisch, aber nur die aus dem Kiga importierten hätten hier eine chance. Und so essen wir die meiste zeit ohne Spruch……….

    ….mh…vielleicht versuche ich es nochmal……

    Liebe Grüsse und danke fürs Teilen!

    Bianca

  5. 5 Inés 16. Januar 2011 um 15:29

    „Jeds Tierlein hat sein essen, jedes Blümlein trinkt von dir, hast auch unser nicht vergessen, lieber gott wir danken dir.“

    – finden wir hier sehr schön.

  6. 6 Soij 16. Januar 2011 um 20:13

    Hallo,
    ich glaub da ist eine Zeile bei einem falschen Spruch gelandet….
    „Erde die uns dies gebracht….“
    gehört doch zu
    „Sonne die es reif gemacht“
    Lg
    Soij

  7. 7 kristl 17. Januar 2011 um 20:56

    Danke Du Liebe!!! Ein Post für mich…hab tausend Dank!!! Uns gefallen mehrere ganz gut…und das yogische hört sich interessant an…da kenn ich mich aber nicht so aus. Kann sich ja ändern…ich fange bald wieder mein Yoga an. Der mit den Blümlein ist glaube ich sehr kleinkindgerecht…sehr schön. Wir werden mal sehen was sich bewährt…und berichten dann!!! Dankeschön!

  8. 8 oli 5. August 2015 um 18:56

    Ich finde das „Erde die es uns…“ gut und ich denke man braucht auch eine komplemetäres Sprüchlein für den Wickeltisch:

    Därmli das es uns gemacht,
    Fudi das es rausgebracht.
    Liebes Fudi, liebes Därmli
    ihr stinkt bis zu den Stärndli…


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